Journal

Wenn die alte Angst anklopft: Über Ängste, neue Antworten und die kleinen Dinge, die der Seele guttun. 

Manchmal überfällt mich mein alter Freund, die Angst, aus heiterem Himmel. Dann fühle ich mich plötzlich unwohl, obwohl gerade noch alles gut schien. Herzrasen, Enge in der Brust, bedrohliche Gedanken türmen sich auf wie Wolken vor einem Sturm, meine Stimmung verdüstert sich. Ich denke dann an alles, was noch zu tun ist, was ich noch nicht geschafft habe. Die Angst flüstert mir ins Ohr, was ich alles NICHT hinbekomme, was ich alles NICHT kann, was alles schief laufen wird, dass ich schwach bin. Je negativer meine Gedanken, um so größer die Angstspirale. Vor allem ein Gedanke drängt sich dann auf: Was, wenn die Depression mich jetzt wieder einholt? Was wenn es mir jetzt wieder schlechter geht? Was wenn, was wenn …

Auf einmal sehe ich alles unter einem anderen Licht - oder besser: unter der Abwesenheit von Licht. Jeder Gedanke, alles, worauf ich mich eigentlich gefreut habe, löst plötzlich Beklemmung in mir aus. Alles scheint mir zu laut, zu hell, zu viel. Und ich frage mich, wie so oft: Was ist nur los mit mir?

Mittlerweile kann ich die Vorzeichen schneller deuten und versuche, anders mit dem Gefühl der Angst umzugehen. Dadurch verliert sie einen Teil ihrer Bedrohlichkeit. Ich bemerke früher, wenn sie sich anschleicht. Und ich kann mir inzwischen sagen: Es ist okay. Ich kann mit dir umgehen. Statt mich von ihr mitreißen zu lassen, versuche ich, innezuhalten und herauszufinden, was sie mir eigentlich mitteilen will. Die letzten Jahre habe ich viel darüber gelernt, mich selbst besser zu verstehen. Und so kann ich die Angst inzwischen weniger als Feind, sondern eher als eine Art alten Freund betrachten, der mir sagen möchte: Hey, schalt mal einen Gang runter. Vergiss deine eigenen Bedürfnisse nicht. Schau mal, wie es in dir drinnen aussieht. Was ist da gerade los? Was brauchst du gerade?

Die Angst ist für mich zu einem Warnschild geworden, das mich darauf hinweist, auf mich zu achten, damit ich mich nicht wieder verliere. Dass ich das inzwischen weiß, lässt mich Vertrauen in mich selbst spüren. Meine Angst ist mein Wächter, mein Beschützer. Und ich bin diejenige, die dafür sorgen kann, dass es mir wieder gut geht.

Also versuche ich, in mich hinein zu spüren - auch wenn sich das gerade unangenehm anfühlt - und herauszufinden, was ich brauche, was mir gerade fehlt. Oft ist es ein länger unerfülltes Grundbedürfnis. Ein überhörter Ruf meiner Seele. Ein zu langes Ignorieren meiner inneren Stimme, das dieses Unwohlsein auslöst.

Wir sind so viel im Denken, im Funktionieren und Optimieren, dass wir dabei manchmal vergessen zu fühlen. Zu sein.

Ich habe gelernt, dass ich mir in solchen Momenten zuerst Zeit für mich nehmen muss. Um überhaupt wieder zu spüren: Wie geht es mir? Was ist gerade los in mir drin? Dann versuche ich, das Gefühl zu benennen und zu lokalisieren. Wo sitzt es? Wie fühlt es sich an? Und irgendwann kann ich mich fragen: Was will es mir sagen? Was brauche ich?

Und dann schaue ich auf meine “Seelenfutter”-Liste.

Ich habe sie in einer Zeit angelegt, in der es mir schlecht ging und ich viel zu Hause war. Über Wochen habe ich Dinge gesammelt, von denen ich weiß, dass sie mir guttun. Keine klassische Self-Care-Liste, auf der die nächste Aufgabe steht, die ich jetzt auch noch erledigen muss. Sondern eine Sammlung von Möglichkeiten, aus denen ich intuitiv auswählen kann:

Was brauche ich gerade und was kann ich mir jetzt geben? 

Eine Antwort auf diese Frage zu finden, ist nicht so leicht, wenn man verlernt hat, seine Gefühle zu spüren und ein Profi im Verdrängen und Weitermachen ist. Das braucht viel Training und Geduld. Die Antwort hängt auch von dem Energielevel ab, auf dem man sich gerade befindet. Man kann sich nicht immer alles geben, was man gerade braucht, selbst wenn man es weiß, weil die Kraft manchmal nicht ausreicht. Das ist auch okay. 

Wenn ich Ruhe brauche, weil es in meinem Kopf gerade zu laut und zu chaotisch ist, und ich mich ausgelaugt und müde fühle, dann tut es mir zum Beispiel gut, mich zurückzuziehen und etwas zu tun, das mich zur Ruhe kommen lässt, wie lesen oder Musik hören, vielleicht in der Badewanne, mit einem guten Duft und gedämpftem Licht. Manchmal brauche ich auch einfach eine Tasse Tee, eine kuschelige Decke und den Gedanken, gerade nichts leisten zu müssen.

Wenn ich merke, dass ich irgendwie feststecke, in meinem Körper oder auch in meinen Gedanken, dass ich überschüssige Energie habe und mich innerlich unruhig oder nervös fühle, dann weiß ich, dass Bewegung mir guttut. Dann mache ich entweder ein paar Yogaübungen, ein Spaziergang an der frischen Luft oder gehe joggen. Wichtiger Gedanke dabei: ich mache das jetzt nicht, um etwas zu leisten oder Kalorien zu verbrennen, sondern um wieder in Bewegung zu kommen und mich selbst zu spüren: Da bin ich. In meinem Körper. Im Hier und Jetzt. Ich bin sicher.

Ich habe vor allem gelernt, dass Self-Care nicht bedeuten muss: Das muss ich jetzt auch noch optimieren. 

Vielleicht geht es vielmehr um eine ganz einfache Frage:

Was tut meiner Seele gerade gut? 

Wenn ich mich verlier

11.9.2026

Meine erste Single erscheint am 11. September 2026 und ist entstanden in einer Zeit, in der ich mich verloren fühlte. Im Text geht es darum, seinen Platz nicht mehr zu finden, das Leben als 'zu viel' zu empfinden, die Welt als 'zu laut' und sich selbst als 'falsch'. In dieser Zeit hat Musik mir geholfen, mich über Wasser zu halten. Ich hoffe, dass ich einigen Menschen mit diesem Song das Gefühl geben kann, verstanden zu werden und sie sich beim Hören weniger allein fühlen. Ich freu mich, wenn ihr mich auf meiner Reise begleitet!

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